... ein weites Feld. Generell gibt es für jede Methode ihre Zeit und ihre KlientInnen. Meine persönliche Erfahrung ist - extrem verkürzt - so: In den herkömmlichen, krankenkassenfinanzierten Methoden liegt der Schwerpunkt auf dem Denken, dem Verhalten, der Analyse der Kindheit (je nach Methode).

Damit können Sie die eigenen Denkmuster erforschen und prüfen: Stimmt das, was ich da gelernt habe, für mich - heute noch? Sie können Impulse bekommen, Neues auszuprobieren. Sie finden heraus, was vielleicht gut in Ihrer Kindheit war, was nicht so gut und was wirklich schädlich für Ihre Entwicklung war und an dessen Folgen Sie  heute noch leiden.

Das ist alles gut und wichtig und mancheR möchte genau das.

Neu hinzugekommen ist 2021 die Anerkennung der Systemik, bei der die Beziehungen und die Einflüsse von außen mit einbezogen werden, z.B. in der Familientherapie, aber auch innere Anteile im Menschen selbst, die vielleicht verschiedene Ziele haben. Das ist ein deutlicher Fortschritt in Sachen Komplexität. 

Was hier nicht stattfindet und nicht stattfinden kann, ist die Veränderung von körperlichen und emotionalen automatisierten Reaktionen. Der Körper und die Persönlichkeit entwickeln als Reaktion auf eine unstimmige Umgebung (dabei geht es kaum um Schuld, eher um Begrenztheit) verschiedenen Adaptionen, Überlebensstrukturen. Diese sind über den Verstand nicht beeinflussbar, bzw. ist der Verstand oft ein Teil dessen. Wenn der Körper emotional oder stressmäßig überlastet ist, schaltet er sich (teils) ab, und der Kopf als nicht-fühlendes Element übernimmt. Gute und destruktive Bindungserfahrungen nehmen wir mit in unser erwachsenes Leben und übertragen sie auf Arbeitsbeziehungen und Freundschaften.

Für Menschen mit frühen Bindungsverletzungen und Traumatisierungen haben die herkömmlichen Methoden meist begrenzte Wirkung. Traumata kognitiv zu "überkoppeln" kann eine Zeitlang gut gehen. Manchmal oder oft springen, vor allem in Lebensumbrüchen: Heirat, Trennung, Geburt, Umzug, Arbeitsveränderung etc. die alten Verletzungen wieder an - der Mensch wird "plötzlich" depressiv oder entwickelt Symptome.

In einer körperorientierten Traumatherapie stehen die genannten Aspekte im Vordergrund. Der Körper, dessen Spannungen, Zustandsveränderungen, emotionale Reaktionen werden erforscht, biologische Zustände wahrgenommen - ist das Nervensystem im Kampf-Flucht-Modus? Erstarrt? Kann ich Gefühle zugelassen? Was fehlt, wenn die nicht da sind? Wenn ich davon überflutet werde? Spüre ich mich noch? Ist es noch ok, dass die Therapeutin mich so sieht? Welche Überzeugungen über mich oder die anderen ploppen auf? Wie sabotiere ich mich unbewusst selbst? Was darf da sein und was überlagert sofort der Verstand? Diese Dinge zu verändern ist möglich. Der Körper kann lernen, dass Menschen anders sein können - wirklich anders - als früher, Gefühle können zurückgewonnen, gehalten und als sinnvolle Wegweiser dienen. Das Verhältnis zu anderen kann schöner, nährender werden, die Welt als angenehmer und sicherer Ort erlebt (und nicht nur "gedacht") werden.

Relativierend zur Methode ist die therapeutische Beziehung: Sie ist am wichtigsten. Mit der tollsten Methode bei einer/m TherapeutIn, mit der Sie die "Chemie" nicht teilen, wird es nicht so positiv verlaufen wie mit einer (in meinen Augen!) weniger tiefgreifenden Methode, bei der Sie sich aber verstanden, gefühlt, aufgehoben, getröstet, für voll genommen und angenommen fühlen, was immer sich gerade zeigt und wo und wie Sie sind.