Früher dachte man, wenn man als Erwachsener die Schrecken der Kindheit nochmal durchlebt, lösen sich diese auf, weil wir ja erwachsen sind und nicht mehr ausgeliefert.

Leider oder Gottseidank stimmt das nicht.

Diese Methoden führen eher zu einer Retraumatisierung - der Körper und der ganze Mensch fühlen sich wie zurückversetzt und es stehen die Bewältigungsmethoden zur Verfügung wie damals, so viel und so wenig es war. Manchmal gibt es einen kathartischen Effekt, man fühlt sich erstmal erleichtert ("überlebt!"), aber es ist wenig oder nichts dazugewonnen, außer noch einer Tüte Schmerz.

In körperorientierter Traumatherapie, so wie ich sie verstehe und gelernt habe, schauen wir auf das, was gerade da ist und erforschen im sicheren Kontakt die Wege, Haltungen, Gedanken und (Nicht-)Gefühle, die so schwierig sind oder fehlen. Es findet keine "Traumakonfrontation" statt, niemand wird in eine überwältigende Situation oder Erinnerung gebracht - das ist unsinnig, das Trauma ist vorbei. Was noch da ist, sind die festgefahrenen, automatisierten körperlichen und emotionalen Reaktionen. "Immer, wenn ich meinE ChefIn mich zum Gespräch einlädt, bekomme ich Schweißausbruch und fühle mich wertlos" - "Wenn ich einer Frau/ einem Mann näher komme, reagiere ich arrogant - obwohl ich das sonst gar nicht bin!". Wir arbeiten mit den "Resten", dem damals Gelernten. Oft hieß das: sich abschneidenmüssen, etwas wegdrücken, z.B. den Wunsch, gesehen zu werden, nach Erfüllung von Bedürfnissen, nach Ich-selbst-sein-dürfen.

Oft entsteht es eine Freude, sich selbst (wieder-) zu entdecken, wie interessant, was eigentlich in mir lebendig ist! Eine Neugierde, was noch alles in einem steckt. Zwischendurch fließen auch mal Tränen, manchmal stellt man fest, wie verdreht das Leben bisher war, das gilt es zu betrauern. Das tut gelegentlich weh, aber in ein Trauma zurück muss niemand mehr.