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Körperpsychotherapie - ein Beispiel

Eine Frau kommt zu mir. Mit viel psychotherapeutischer Erfahrung in verschiedenen Methoden. Der Kopf weiß viel, sie hat gelernt, dass vieles Negatives nicht stimmt, was sie von sich denkt, intensive Gefühle sind schwierig, der Körper zeigt Symptome. Das Wissen hilft theoretisch, praktisch nur begrenzt.

Bei einer körperpsychotherapeutischen Sitzung auf der Liege zeigt sich, dass ihr Körper es nicht zulässt, dass die  Energie in ihr überhaupt in Bewegung kommen darf. Im Grunde meint ihr Körper, sie solle am besten stillhalten und sich nicht äußern und vielleicht am besten möglichst wenig da sein, nicht sichtbar werden. Das hat er so gelernt in ganz früher Zeit, durch Blicke und Reaktionen der Mutter.

Ich halte ihre Füße, die Klientin teilt, was ihr währenddessen kommt.  Jedesmal, wenn sie etwas Positives über sich äußert, steigt Angst in ihr auf. Etwas Negatives zu äußern, unangenehme Gefühle, Probleme, geht etwas leichter, "schlechtsein" passt zum Bild ihrer Mutter von ihr. Sie war grundsätzlich "falsch". Als Kind hat sie versucht, das "Lebensverbot" zu durchbrechen und rebelliert.

Auf der Liege, mit Körperkontakt, hat der Körper genug Sicherheit zu spüren, dass die Angst kommt... und gehen kann. Nichts passiert heute mehr, im Gegenteil, ich freue mich über die Lebendigkeit in ihr, das ist ansteckend und macht Spaß. Das ist das reale, so ist es jetzt gerade, so kann es heute mit Menschen sein.

Der Körper hat Zeit und genug Sicherheit um zu erkunden, was er wirklich will: da ist eine Hand an meinem Fuß, da darf ich ein bisschen gegendrücken, oh das bringt Bewegung in meinen Körper, es fließt, die Anspannung lässt nach, das tut gut. Der Fuß bekommt Lust, mit der Hand Kontakt zu haben, zu spielen. Auch dabei kommt die alte Angst auf, die früher dem Schutz diente: mit einem Auge zur Mutter, ist das ok, was ich tue? Darf ich Kontakt wollen? Die Angst kommt... und geht. Der Körper macht die Erfahrung, dass die Angst nicht mehr bedrohlich ist, sondern nur eine kleine Wallung, dass der Kontaktwunsch beantwortet wird.

Meine Hand auf ihrem Herzen, das Herz ist überrascht von der Berührung, mit etwas Zeit fängt es die Berührung zu mögen und sich selbst zu spüren.  - was will das Herz? Es fühlt Freude und möchte etwas mit Menschen zu tun haben.

So bekommt der Körper eine neue Erfahrung, kann sich entspannen und alte Angstmuster verändern. Er lernt, dass es nicht mehr notwendig ist, starr zu sein, dass Lebendigkeit da sein darf und es schön ist, mit anderen lebendigen Menschen zusammen zu sein.