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Hilfe und Selbsthilfe für schwerer betroffene Menschen (mit wenig Geld)

Zunächst möchte ich wie immer betonen: Wenn es dir sehr schlecht geht, ist das nicht dein (Charakter-) Fehler. Du bist nicht "verrückt", nicht "psycho", nicht "schwierig" und nicht "falsch". Du hast eine frühe Prägung erlitten und musstest etwas lernen, was dir heute nicht mehr gut tut und dir für dein Leben im Weg steht. Im Allgemeinen sind wir mit solchen Prägungen sehr identifiziert. D.h., wir kennen nichts anderes, denken, was passiert, ist normal und haben viele negative "Ich bin...."-Sätze am Start. Je stressiger die Situation, desto fester rastet so ein Überlebensmuster ein. 

Es ist prüfenswert, ob du eine besondere Neurodivergenz hast: Hochsensibel, ADHS, Autismus, Hochbegabung, Hochsensitivität etc. Diese Besonderheiten gilt es aufzuspüren, weil sie dein Leben prägen und dich anders machen als die "Normalos". Dann gilt es Menschen zu finden, die auch so sind oder wo du so sein darfst. Bei mir bist du mit den Themen Hoch- und Höchstbegabung sowie Hochsensibiltät gut aufgehoben. 

Was tun?

Du "musst" etwas anderes lernen und zwar recht intensiv.

Natürlich - als Therapeutin und Mensch, dem das geholfen hat - empfehle ich eine Psychotherapie mit einem starken Bezug auf den Körper. Das gibt es selten "auf Kasse", die Suche kann sich aber lohnen, auch wenn du dann lange warten musst.  Selbstzahlen ist nicht ganz billig, geht aber meist sofort los. Ja, das bestinvestierte Geld deines Lebens. Wenn du nicht (voll) arbeitsfähig bist, ist das Geld vermutlich knapp. Also: was noch?

Was die Krankenkasse evt. zahlt:

- Physiotherapie: z.B. Craniosacraltherapie, Massagen

- Ergotherapie: z.B. Entspannungsmethoden lernen. Neurofeedback. Das kann sehr effektiv sein. 

"normale" Psychotherapie, ergänzend: eine weitere Bezugsperson, jemand, der dich unterstützt, dir zuhört, andere Ideen hat, unabhängig davon, wie tiefgehend die Methode ist. Du kannst dir eine "Kassen"-Therapeutin suchen und zusätzlich Stunden bei jemanden deiner Wahl nehmen. Kommuniziere das jeweils. Wenn eineR der beiden ein Problem damit hat, ist das sein/ihr Problem. Du hast in der Schule auch verschiedenen LehrerInnen und beim Fußball gibts Trainer für verschiedene Kompetenzen.

- für manche Symptome gibt es Apps, z.B. zum Schlafen, Entspannung, die die GKV übernimmt oder subventioniert.

 

 Was das Jobcenter evt. zahlt:

- ein Coaching, diese sind je nach Anbieter auch sehr persönlich

 

Achtung Triggerwarnung:

Wenn du betroffen bist von Folgen eines sexuellen Missbrauchs, gibt es den "Fonds Sexueller Missbrauch". Er ist ein Ergänzendes Hilfesystem (EHS) des Staates und unterstützt betroffene Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. Im Antrag muss dargestellt werden, dass man eben betroffen ist (das kann unangenehm sein) und was man meint, dass es einem hilft und warum. Das kann sein und ist natürlich auch oft eine Psychotherapie. 

 

Was nichts kostet:

- Selbsthilfegruppen: die sind oft symptomorientiert und symptomfokussiert, aber dort gibt es Menschen, die dich verstehen und wo du nichts leisten musst, um dazuzugehören. Der Haken an Selbsthilfegruppen ist, dass man eher dazugehört, wenn man das Symptom noch hat. Das sollte man im Hinterkopf behalten bzw. in der Gruppe thematisieren. 

- Verschiedene (Gesundheits)Apps bieten Basics kostenlos an: Meditation, positive Affirmationen, Atemübungen, Witze

- Arbeit mit einer KI (ChatGPT, Gemini). Tatsächlich sind diese Tools sehr kompetent, formulieren sehr achtsam und wertschätzend und haben Zugriff auf sehr viele Methoden und Übungen. Probiere aus, was für dich geht. U.U. wird dir nach einer Zeit die immergleiche Antwortstruktur zu stupide und die KI nimmt dich auch nicht in den Arm. Krisenintervention, Übungsprogramme, eine Reaktion auf deine Mitteilungen, die sich wie "zuhören" anfühlt kann sie aber sehr gut. Auch nicht schlecht: du kannst immer fragen, aus welcher Quelle sie/es/er gerade schöpft und dich bei einer guten Erfahrung in dem Bereich weiter informieren (Community finden, Bücher, Anwender etc.). Datenschutz ist u.U. nicht so safe. 

- Therapeutinnen in Ausbildung bieten oft kostenlose oder vergünstigte Sitzungen an, man kann ggf. die Institute ansprechen. 

 

Was vielen Menschen und vielleicht auch dir gut tut:

- die Natur: Wälder, Wasser, Berge, Weite (Aussicht), gerne auch damit körperlich in Berührung kommen, in Seen und Flüsse waten oder schwimmen, Bäume berühren, usw.

- Tiere: du bist entweder ein Tiermensch oder nicht, das kann man nicht machen. Wenn du einer bist, such dir Kontakt mit Tieren. Wenn du selbst keins hast, jedes Tierheim freut sich über Gassigeher oder Helferinnen.

- Gemüse: vielleicht bist du ein Gemüsemensch, und dir tun Pflanzen gut, in der Erde wühlen, sie gießen, ernten, essen, beobachten. Im Herbst: finde die Besitzerin der Obstwiese und geh Äpfel pflücken.

- Singen: die Kirchen haben oft kostenfreie Kirchen- oder Gospelchöre - singen verbindet, fokussiert, lenkt ab, verändert den Atemrhythmus positiv

- Meditation: angeboten von Kirchen, Meditationszentren, in der Nachbarschaft, spirituelle Gemeinschaften, meist kostenlos oder für kleines Geld - meditieren hilft oft zur Ruhe zu kommen, sich auf sich selbst zu konzentrieren, das Denken zu verlangsamen. Empfehlung: nicht so sehr auf den eigenen Körper meditieren, wenn noch viel Traumaenergie darin ist, das kann zuviel sein.

- ein Lächeln oder Gesehenwerden: suche auf der Straße, beim Spazierengehen ein kleines bisschen Kontakt. Manchmal klappts, manchmal nicht, spüre nach, wie es ist, wenn dich einfach ein Unbekannter anlächelt oder dir kurz vermittelt: ich sehe dich.

- Bewegung/Tanzen/Playfight: Bewegung hilft beim Adrenalinabbau, Tanzen bringt Freude, wenn mans mag, im Playfight (früher: Ringen und Raufen) dürfen Aggressionen spielerisch sein, Kampf in Verbindung mit netten Menschen macht neue Erfahrungen. 

- Etwas lernen: es gibt über alles ein YouTube, vielleicht möchtest du etwas Handwerkliches lernen, Handarbeit etc. Jeder Wollladen hat ein Strickcafé, meist bekommt man hier auch Hilfe. Repaircafés freuen sich über Leute, die schon etwas können und anderen Hilfe anbieten. Natürlich kannst du die neue Kompetenz auch zu Geld machen. 

Es kann sein, dass du erst lernen musst, das bei dir ankommen zu lassen, was dir gut tut. Und lernen musst, herauszufinden, was dir wirklich gut tut, was dein Körper mag, nicht was er gut finden soll, auch, was dir leicht fällt zu tun.

Auch Psycho gibts bei Youtube: Dami Charf, Verena König z.B. sind versierte Kolleginnen, die hilfreiche, möglichst wenig triggernde Podcasts und Youtubes anbieten. 

Infos über Angebote in deiner Nähe:

- nebenan.de

Für den viel-Input-Typ:

Da bin ich nicht so sehr versiert ;O), aber natürlich will nicht jedeR Ruhe und Entspannung. Es ist völlig ok, samstags morgens um 11 in der Schlange im Supermarkt zu stehen, wenn dir das gut tut, auch wenn du die ganze Woche Zeit zum Einkaufen hättest. Vielleicht läufst du gerne durch Fußgängerzonen oder stehst beim Karneval am liebsten am Dom. Dann tu das!

Bei allem gilt: Probiere es aus. Viele haben etwas im Kopf, wo sie denken, das tut mir gut, bitte schau, was wirklich ist. Wie reagiert dein Körper, wie geht es dir währenddessen und nachher? Ist der Körper ruhiger und/oder lebendiger, hast du angenehmere Gefühle, geht dein Atem tiefer, fühlst du dich mehr zuhause in dir, sind deine Gedanken positiver? Das sind die Marker. Alles, was in dir eine angenehme Erfahrung bringt, verhindert, dass du in dieser Zeit eine unangenehme hast. Jede gute Erfahrung mit der Welt verändert eine kleines bisschen deine Haltung zur Welt.

Weitere Ideen gerne an mich!

Viel Freude!