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Kontaktabbruch

Haben Sie den Kontakt zu Ihren Eltern abgebrochen?

Sind Sie ein Elternteil, zu dem ein Kind keinen Kontakt mehr hat?

Meist ist es ein - natürlich erwachsenes - Kind, das den Kontakt zu seinen Eltern abbricht, der umgekehrte Fall ist mir noch nicht untergekommen. Das Kind tut dies selten leicht, es ist eher das letzte Mittel, wenn es sich nicht verstanden und gesehen fühlt und die Kommunikation in den immer gleichen schwierigen Wegen verläuft.

Manche Eltern sind innerlich tatsächlich so fern von ihren Emotionen, Bindungen und haben so wenig Kontakt zu sich selbst, dass sie den Kontaktabbruch einfach abtun, das gibt es natürlich. 

Für die meisten Eltern ist das hingegen schwierig, sie vermissen ihre Kinder, auch die Enkel, wenn vorhanden, zu denen der Kontakt oft unbelasteter ist als zu den eigenen Kindern. Sie haben Schuldgefühle und gleichzeitig sind sie der Überzeugung, ihr Bestes gegeben zu haben. Beides zusammen passt irgendwie nicht zusammen und dann weiß man nicht weiter. Oft wird das Problem verdrängt und manchmal gibt es weitere Kinder, mit denen sich die Eltern trösten bzw. sich bestätigen, dass ja nicht alles falsch gewesen sein kann.

Das erwachsene Kind hat auch Schuldgefühle, einerseits ist der Kontakt unangenehm, schmerzhaft oder erinnert immer wieder an alte Verletzungen, die so nicht gut heilen können. Andererseits liebt es seine Eltern, das ist die Bindungsliebe, die eine biologische Komponente hat und die im Grunde immer erhalten bleibt, diese wird bei einem Kontaktabbruch verletzt.

Für beide "Parteien" hat Kontakt oder Abbruch etwas mit Zugehörigkeit zu tun, natürlicherweise gehört unsere biologische Familie zu uns dazu und umgekehrt.

Mancher (eher die Eltern) denkt, ok, es ist nicht alles gut gelaufen, aber das ist ja alles schon lange her und heute ist heute. Das stimmt, wir können nicht zurückreisen und die Vergangenheit ändern. Aber die Beziehung ist dort entstanden, wir können schauen, was von dem was nicht gut gelaufen ist, hat heute noch Auswirkungen und welche?  Wir können aus den Mustern aussteigen und neue Wege finden, manchmal sind es eher Missverständnisse, oft tiefe Dynamiken. Für den Weg eines neuen Miteinanders ist Ehrlichkeit nötig und meist müssen sich alle Beteiligten schmerzhaften Erkenntnissen stellen:

Das Kind:

Es hat so weh getan. Ich hätte sie so gebraucht, und sie waren nicht da, haben mich nicht gesehen. Meine bisherigen Versuche, mich mitzuteilen, haben nichts gefruchtet.

Die Eltern:

Ich hatte die Verantwortung für das Leben meines Kindes. Ich habe mein Bestes getan. Ich konnte mein Kind nicht so sehen, wie es das gebraucht hätte und ihm nicht geben, was es gebraucht hätte. Mein Kind hat Verletzungen erlitten - auch - durch mich. Ich war selbst so verletzt, die Zeit war so schwierig, dass es nicht (bessser) ging.

Manchmal ist das möglich, manchmal nicht. Die Generation der Kriegs- und Nachkriegs-Kinder ist in einer Energie es Überlebens aufgewachsen, in der für Gefühle oder Bedürfnisse sehr wenig Platz war und eher wenige haben den Schritt der Selbstentwicklung gewagt. Ist es nicht möglich, können wir schauen, wo gibt es andere Möglichkeiten, sich zugehörig zu fühlen, Bindungen einzugehen und Menschen zu finden, die mit mir zusammen durch  mein Leben gehen.

Ich unterstütze sowohl Kinder als auch Eltern dabei, mit einem Kontaktabbruch in der Familie umzugehen.